Elbenwald
Kritik
Manchmal reicht ein einziger Blick auf ein Bild, um sich tief verbunden zu fühlen – genau das passiert hier mit „Elbenwald“. J. R. R. Tolkien entführt uns in eine kleine, fast zarte Geschichte, in der ein Tüftler ein einziges Blatt immer und immer wieder malt. Klingt simpel, ist aber dabei so viel mehr: Es geht um Leidenschaft, Hingabe und die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man sich ganz in sein Werk vertieft und dabei die Außenwelt sich nicht zurücknimmt.
Tüftler ist ein Charakter, den man sofort ins Herz schließt. Er ist kein klassischer Held, sondern ein Träumer und Schaffender, der mit seinem Pinsel in eine Welt eintaucht, die nur er sieht. Seine Freunde und Nachbarn sind ebenso lebendig und machen deutlich, wie schnell es schwierig wird, seine eigene Kreativität gegen die Erwartungen anderer durchzusetzen. Tolkien schafft es mit seinem einzigartigen Stil, das Märchenhafte und das Alltägliche wunderbar zu vermischen – hier liest man keine endlosen Beschreibungen, sondern fühlt wirklich mit.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Poesie, mit der die Geschichte erzählt wird, ohne je abgehoben zu wirken. Man spürt die zarte Melancholie, die in der Hingabe an die Kunst liegt, aber auch einen leisen Humor im Umgang mit den Mitmenschen. Allerdings könnte der langsame Erzählfluss für manche etwas zäh sein – vor allem, wenn man nach viel Action oder großen Wendungen sucht, ist „Elbenwald“ eher ein stiller Begleiter als ein spannendes Abenteuer.
Ein kleiner Wermutstropfen: Die Handlung ist minimalistisch und vielleicht nicht jedermanns Sache, gerade wenn man Tolkien sonst als Schöpfer epischer Welten kennt. Aber genau darin liegt für mich der Charme – hier zeigt sich eine andere Seite seines Erzählkosmos, eine intime, fast poetische Miniatur.
Wer Lust auf ein feinfühliges, nachdenkliches Märchen hat und sich auf eine warmherzige, ruhige Erzählung einlassen kann, wird „Elbenwald“ lieben. Für alle, die schnelle Geschichten oder viel Aktion erwarten, ist dieses kleine Juwel vermutlich weniger geeignet.
4 von 5 Sternen – ein leises, schönes Buch, das zeigt, wie sehr man sich in einer einzigen Sache verlieren kann.
Klappentext
Gert Heidenreich erzählt von Tüftler, der vollkommen in seiner Malerei aufgeht. Ein wunderbares Märchen voller Poesie und Phantasie.
(Laufzeit: 53 min)