Hering, Strandluft, Mordgeflüster
Kritik
Meerluft im Kopf und Spannung in der Brust – genau so fühlt sich „Hering, Strandluft, Mordgeflüster“ an. Die Geschichte entführt uns in den alten Leuchtturm von Flensburg, wo Anni Gade, eigentlich Stadtführerin, plötzlich mitten in einen Kriminalfall hineinplumpst. Der junge Radioreporter Timo Feddersen wird tot aufgefunden, und schnell wird klar: Hier wurde gemordet – nur wer hatte ein Motiv?
Anni ist ein Sonnenschein, der trotz mangelnder Journalistenerfahrung mutig und neugierig in die Ermittlungen steigt. Ihre frische und unerschrockene Art passt wunderbar zu der rauen Küstenkulisse und sorgt dafür, dass man als Leser:in sofort mitfiebert. Kommissar Christiansen, der eigenbrötlerische Ermittler, bildet dazu einen tollen Kontrast – ein bisschen mürrisch, aber nicht ohne Herz. Die Dynamik zwischen den beiden bringt Schwung in den Plot und macht Spaß mitzuerleben.
Inga Schneiders Schreibstil ist leicht, lebendig und immer schön schnörkellos. Man merkt, dass sie echten Bezug zur Region hat, was den Schauplatz authentisch und atmosphärisch macht. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus typischem Küstenflair und der steigenden Spannung rund um den Mord – das zieht einen sofort rein.
Ganz ohne Kritik geht es aber nicht: An manchen Stellen hätte das Tempo etwas zügiger sein können, und manche Charaktere bleiben eher skizzenhaft. Für Leser:innen, die tiefschürfende Psychothriller oder hochkomplexe Fälle erwarten, ist das Buch vielleicht zu leicht. Wer aber Lust auf einen entspannten Krimi mit viel Lokalkolorit und sympathischen Figuren hat, ist hier genau richtig.
Kurz gesagt: „Hering, Strandluft, Mordgeflüster“ ist eine erfrischende Brise für alle Krimifans, die Strandspaziergänge lieben und denen eine gute Portion Humor und Herz nicht fehlen darf. Ich vergebe 4 von 5 Sternen – klasse Unterhaltung mit kleinen Schwächen, die man gern in Kauf nimmt.