Alle sieben Wellen
Kritik
Manchmal ist es einfach magisch, wenn Worte allein eine Welt erschaffen – genau das gelingt Daniel Glattauer mit „Alle sieben Wellen“ auf wunderbar leichte und gleichzeitig tiefgründige Weise. Man taucht ein in die einzigartige Korrespondenz zwischen Emmi und Leo, die sich über E-Mails begegnen, obwohl sie sich kaum kennen, aber doch genau wissen, wie sie einander fühlen. Diese unkonventionelle Romanze sprüht vor Schlagfertigkeit, Wärme und einer Prise Humor, die für jede Menge Lesespaß sorgt.
Die Handlung dreht sich um diese zwei Charaktere, die trotz einiger äußerer Verwicklungen – wie Leos Flucht nach Boston und eine geheimnisvolle Pamela – nicht voneinander lassen können. Glattauer zieht hier charmant die Fäden zwischen Nähe und Distanz, zwischen Realität und der Welt der Gefühle, die sich in den Zeilen entfaltet. Emmi und Leo sind herrlich lebendig, sie sind keine perfekten Helden, sondern Menschen mit Ecken und Kanten, die man sofort ins Herz schließt. Gerade ihr Schlagabtausch in den Mails bringt so viel Esprit mit, dass man manchmal laut lachen möchte – ja, ein Buch, das auch die Seele kitzelt.
Der Erzählstil ist frisch, locker und dennoch so elegant, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Hier steht nicht das große Drama im Vordergrund, sondern das Alltägliche, das Vertraute, das durch Worte eine neue Dimension bekommt. Man spürt, wie viel Herzblut in den Dialogen steckt, die mal zärtlich, mal witzig und mitunter auch ein bisschen melancholisch sind. Ganz nebenbei zeigt Glattauer, wie stark Nähe auch ohne physischen Kontakt sein kann und wie verführerisch die Welt des geschriebenen Wortes ist.
Kritisch gesehen hätte die Geschichte hier und da ein paar Tempo-Bremsen vertragen können – manche Szenen ziehen sich ein wenig in die Länge, was beim Tempo des Gesamtkunstwerks ein wenig zu Überlänge führt. Auch die etwas klischeehaften Nebenfiguren heben sich nicht unbedingt ab, was aber den Unterhaltungswert nicht groß schmälert.
Für alle, die Lust auf eine ungewöhnliche Lovestory haben, die mit Witz, Tiefgang und ganz viel Gefühl erzählt wird, ist „Alle sieben Wellen“ ein absolutes Muss. Wer vertraute, nicht zu dramatische Geschichten liebt, die vor allem von der Sprache leben, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
4 von 5 Sternen – ein charmantes, herzerwärmendes Textgewitter, das zeigt: Manchmal sagen Worte einfach mehr als tausend Blicke.