Homo Deus
Kritik
Schon beim Aufschlagen von „Homo Deus“ spürt man sofort: Hier erwartet einen keine leichte Lektüre, sondern ein großer Wurf, der ordentlich zum Nachdenken anregt. Yuval Noah Harari lädt uns ein, einen kühnen Blick in die Zukunft der Menschheit zu werfen – weg von overlebenswichtigen Kämpfen gegen Krankheit und Hunger hin zu viel abstrakteren, aber nicht weniger spannenden Zielen wie Unsterblichkeit und der Suche nach grenzenlosem Glück. Klingt fast wie Science-Fiction, passiert aber mitten in unserer Realität.
Statt einer klassischen „Handlung“ liefert Harari eine spannende gedankliche Reise, die den Leser in mitreißender Klarheit und mit enormen Detailreichtum durch philosophische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen führt. Dabei arbeitet er mit faszinierenden Zukunftsszenarien, die einen manchmal schlucken lassen: Was, wenn die meisten von uns eines Tages tatsächlich überflüssig werden? Die Hauptfigur, der Homo sapiens selbst, ist weniger ein Charakter, sondern mehr ein lebendiges Konzept, das sich immer weiterentwickelt. Harari selbst als Autor bleibt angenehm unaufgeregt, sein Stil ist klar, fast schon journalistisch, aber mit genug Witz und Leichtigkeit, um komplexe Themen nicht trocken wirken zu lassen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie elegant er große Ideen auf den Punkt bringt, ohne sich in Fachchinesisch zu verlieren. Man hat jederzeit das Gefühl, mit einem klugen Freund zu sprechen, der einem neue Welten öffnet. Allerdings – und das ist mein kleiner Kritikpunkt – verliert sich das Buch an manchen Stellen etwas in hypothetischen Theorien, die manchmal schwer greifbar bleiben. Für Leser, die knallharte Fakten erwarten, vielleicht eine kleine Hürde.
Unterm Strich ist „Homo Deus“ ein faszinierendes, mutiges Denkexperiment über die kommende Evolution – nicht nur als wissenschaftliche Abhandlung, sondern als Einladung, über den eigenen Platz in der Zukunft nachzudenken. Wer sich nicht vor großen Fragen scheut und gerne mit offenen Augen durch die Welt läuft, wird von diesem Buch definitiv profitieren.
Ich vergebe starke 4 von 5 Sternen – ein Buch, das man gerne aus der Hand legt, um die Gedanken schweifen zu lassen.
Klappentext
Über das letzte Jahrhundert hinweg hat sich die Menschheit Hunger, Seuchen und Kriegen erfolgreich gestellt. Aus Erfolg wird Ehrgeiz: als nächstes stehen Unsterblichkeit, grenzenloses Glück und gottgleiche Schöpfungskräfte auf der To-Do-Liste. Die Verfolgung dieser Ziele wird die meisten Menschen allerdings überflüssig machen. Also bleiben Fragen: Wohin führt unser Weg? Wie können wir unsere Zukunft bestmöglich beeinflussen? Schließlich kann man den Lauf der Dinge nicht aufhalten, aber die Richtung bestimmen.
Vollständige Lesung mit Jürgen Holdorf