Nur ein einziger Tanz (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hat man den ersten Satz von „Nur ein einziger Tanz“ gelesen, spürt man sofort diese Mischung aus Melancholie und Hoffnung, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Rike Kehrmanns Leben wird auf den Kopf gestellt, als ein geheimnisvoller Brief ein altes Kapitel ihrer Familiengeschichte aufreißt – und genau das macht das Buch so spannend und berührend zugleich.
Die Handlung entführt uns nach Amsterdam, wo Rike nicht nur mehr über ihre verstorbene Mutter und deren verborgene Liebe erfährt, sondern auch auf Menschen trifft, die ihrem Leben neue Farben verleihen. Besonders die Senioren-WG um Hendrik Rhee bringt eine wunderbare Portion Witz und Herzlichkeit hinein. Rike selbst ist eine Charakterfigur, mit der man gern in Gedanken eine Weile zusammensitzt: ehrlich, verletzlich, aber auch mutig genug, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.
Hermien Stellmachers Schreibstil ist wunderbar zugänglich und lebendig, erzählt aus einer Nähe heraus, die man selten so greifbar findet. Es fühlt sich an, als ob die Autorin direkt neben dir auf dem Sofa sitzt und dir ihre Geschichte zuflüstert. Manche Passagen hätten vielleicht etwas kürzer sein dürfen, denn an einigen Stellen zieht sich die Erzählung ein wenig, aber das tut dem Gesamtgefühl kaum einen Abbruch.
Wer Geschichten liebt, die sich um Erinnerung, Verpasste Chancen und zwischenmenschliche Verbindungen drehen und dabei nicht kitschig werden, ist hier genau richtig. „Nur ein einziger Tanz“ fordert dich heraus, mitzufühlen, und bleibt dennoch leicht genug für entspannte Lesestunden.
Kurz gesagt: Ein Roman, der unter die Haut geht, ohne zu schwer zu sein – perfekt für alle, die emotionale Geschichten mit einem Schuss Nostalgie mögen.
Bewertung: 4 von 5 Sternen.