Die Riesinnen
Kritik
Manchmal sind es gerade die kleinen Orte mit ihren großen Geschichten, die einen unerwartet packen – „Die Riesinnen“ ist genau so ein Buch. Hannah Häffner bringt uns zu den drei Frauen aus Wittenmoos, einem winzigen Schwarzwald-Dorf, wo jeder jeden kennt, doch niemand so wirklich versteht. Hier wachsen Liese, Cora und Eva auf, alle groß und schlank, fast wie Fremdkörper in ihrer eigenen Heimat – und sie kämpfen auf ihre Art mit den Grenzen des Dorflebens und miteinander.
Die Handlung spinnt sich durch Jahrzehnte, von den 60ern bis heute, und zeigt, wie jede Generation ihr Päckchen zu tragen hat und doch einen eigenen Weg zur Freiheit sucht. Liese, die resolute Metzgerin, ihre wilde Tochter Cora und die naturverbundene Försterin Eva – jede dieser Frauen hat ihre Ecken und Kanten, das macht sie so lebendig und echt. Häffners Sprache ist satt und bildstark, dabei aber nie überladen. Der feine Humor und die kleine, subtile Ironie, mit der sie die Dorfgemeinschaft porträtiert, sorgen für immer wieder leichte Momente in der teils schweren Thematik.
Was mir besonders gut gefallen hat? Das Buch schrammt nicht an Klischees vorbei, sondern fühlt sich ehrlich an, ohne sich anzubiedern. Die Figuren wirken nie überzeichnet, sondern greifbar und nah. Die generationenübergreifende Erzählweise verleiht dem Ganzen Tiefe – da steckt ordentlich Herz drin. Einzig der etwas langsame Einstieg könnte einige Leser abschrecken, ich hätte mir zwischendrin ein bisschen mehr Tempo gewünscht, aber hey, dafür wächst man umso mehr in die Welt hinein.
Kurz gesagt: Wer Lust hat auf eine Geschichte über Heimat, Freiheit und das Aufbegehren gegen festgefahrene Muster, und keine Angst vor stillen Zwischentönen hat, findet hier eine starke, vielschichtige Lektüre. Von mir gibt’s 4 von 5 Sternen – ein Buch, das lange nachklingt und zum Nachdenken anregt.
Klappentext
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen, alle groß und dünn, sie überragen die meisten Dorfbewohner und wollen so gar nicht in die Gemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die in den 60er Jahren still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald liebt und als Försterin in und mit ihm lebt.
Wohin gehören wir? Was ist Heimat? Und was bedeutet wirkliche Freiheit?
In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die lange nachhallt.
Ungekürzte Lesung mit Jördis Triebel
10h 42min