Ostsee, Klönschnack und ein Mord
Kritik
Kaum blättert man in „Ostsee, Klönschnack und ein Mord“, spürt man sofort das rauchige Salz der Ostseeluft und das Möwengeschrei – pure Urlaubsstimmung trifft auf düstere Geheimnisse. Die Geschichte setzt genau da an, wo man gern selbst sein würde: an der Flensburger Förde, mit Sonnenschein und einer Brise Meer um die Nase. Doch der idyllische Eindruck trügt schnell, denn plötzlich verschwinden zwei Unternehmer spurlos und die badelustige Ruhe ist mehr als gefährdet.
Anni Gade, unsere Protagonistin, ist herrlich wunderbar unperfekt. Nach ihrem abgebrochenen Studium hat sie sich mit Stadtführungen durchs Leben gewurstelt, bringt dabei aber eine ordentliche Portion Humor und Herz mit. Ihre Mischung aus hartnäckiger Neugier und sympathischer Tollpatschigkeit macht das Lesen zum Vergnügen. Kommissar Finn Christiansen dagegen ist das perfekte Gegenstück: ein wenig arrogant, ziemlich stur und genau deshalb eine spannende Herausforderung für Anni – und mich als Leser natürlich auch. Die Dialoge der beiden sprühen vor Witz und Ironie, was das Ganze sehr lebendig macht.
Ingas Schreibstil ist flüssig und unkompliziert, perfekt für entspannte Lesestunden am Strand oder auf der Couch. Die Beschreibung der Ostsee-Atmosphäre funktioniert als starker Wohlfühlfaktor und gibt der Geschichte eine schöne Tiefenwirkung, ohne zu sehr abzulenken. Trotzdem bleibt das Buch ein Krimi, der an manchen Stellen etwas vorhersehbar ist und die Ermittlungen könnten hier und da etwas temporeicher sein. Ein paar Überraschungen habe ich mir gewünscht, aber insgesamt steckt da genug Schwung drin, um die Seiten rasen zu lassen.
Wer Lust auf leichten, aber gut gemachten Regionalkrimi-Mix hat, der mit Charme, einer Prise Humor und Urlaubsflair punktet, wird hier auf seine Kosten kommen. Wenn du nicht unbedingt den komplexesten Plot suchst, sondern lieber eine nette Portion Spannung mit sympathischen Charakteren und ganz viel Ostsee-Feeling, dann ist Inga Schneiders Buch genau dein Ding.
Fazit: Charmant, unterhaltsam und mit genug Kopfkino für einen entspannten Abend – ein solider Küstenkrimi zum Wohlfühlen, der sich flott lesen lässt. Von mir gibt’s dafür 4 von 5 Sternen.