Helden
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Helden“ aufgeschlagen, ist man mittendrin in einem wuchtigen Mittelalter, das nicht nur mit historischen Details, sondern mit jeder Menge Spannung und Leben pulsiert. Frank Schätzing entführt uns in eine Zeit des Umbruchs, in der alte Machtstrukturen zu zerbrechen drohen und jede Entscheidung das Schicksal Europas verändern kann.
Im Mittelpunkt steht Jacop der Fuchs, ein Typ, den man sofort mag – vom cleveren Dieb zum ehrbaren Kaufmannslehrling hat er eine ordentliche Entwicklung hinter sich, und doch bleibt das Schicksal ein launischer Begleiter. Sein Leben gleicht einem nervenaufreibenden Höllenritt, verfolgt von schottischen Söldnern, Intrigen und einer ziemlich fiesen Blonden Hexe, die das ganze Chaos perfekt macht. Die Handlung ist ein geschicktes Wechselspiel aus großem politischen Drama und persönlichem Überlebenskampf, das nie an Tempo verliert.
Was mir besonders gefällt, ist Schätzings erzählerische Kraft. Er schafft es, eine komplexe Welt mit so viel Feingefühl und Authentizität zu skizzieren, dass man sich direkt im Kölner Alltag des 13. Jahrhunderts wähnt. Die Sprache ist dabei angenehm zugänglich, ohne flach zu werden, und bringt genau die richtige Mischung aus atmosphärischer Dichte und flottem Erzählstil mit. Man spürt die Konflikte zwischen Macht, Moral und Überleben auf jeder Seite.
Kritisch anmerken würde ich, dass das Buch an manchen Stellen durchaus viele Fäden gleichzeitig spinnt, was kurzzeitig etwas überfordernd sein kann. Wenn man allerdings drannbleibt, zahlt sich das reichhaltige Panorama aus, und die zahlreichen Figuren – ob Freund oder Feind – werden nach und nach lebendig.
Für alle, die historische Romane lieben, die gern ein bisschen Nervenkitzel und temporeiche Action dabei mögen und Lust auf eine dichte, gut recherchierte Geschichte haben, ist „Helden“ definitiv ein Volltreffer. Wer es lieber schlicht und schnell mag, könnte zwischendurch mal ein wenig Luft brauchen.
Kurz und knapp: Ein großes historisches Abenteuer mit viel Herz und Hirn, das man nicht so schnell vergisst. 4 von 5 Sternen.
Klappentext
In seinem neuen epochalen Roman "Helden", der den Weltbestseller "Tod und Teufel" kongenial fortsetzt, zeichnet Frank Schätzing das Bild einer abendländischen Gesellschaft im Umbruch. Vor dem Hintergrund gewaltiger Umwälzungen, in denen bereits die Renaissance und die Neuzeit aufscheinen, im ewigen Spannungsfeld von Macht und Moral, schickt Schätzing seinen Helden Jacop auf einen Höllenritt durch die Geschichte.
1263: Jacop der Fuchs steckt in Schwierigkeiten. Und zwar gewaltig, so wie vor drei Jahren, als er in eine Intrige Kölner Patrizier geriet und nur knapp dem Tod entging. Danach hat sein Schicksal eine vielversprechende Wendung genommen. Er wurde ehrbar, vom Dieb zum Kaufmannslehrling. Doch wieder muss er um sein Leben laufen, kämpfen, schwimmen … gejagt von Geistern der Vergangenheit, schottischen Söldnern und der furchteinflößenden Blonden Hexe. Hineingeworfen in einen Sturm, der ganz Europa erfasst, ausgelöst durch englische Barone, die nichts Geringeres planen, als ihren König zu entmachten und die absolute Monarchie abzuschaffen. Was ist schiefgegangen? Wäre Jacop bloß in Köln geblieben, bei seinen Freunden. Doch auch da spitzen sich die Machtkämpfe dramatisch zu …
"Helden" ist historisches Drama und atemberaubender Thriller. Ein dritter Band mit Abenteuern von Jacop dem Fuchs ist in Arbeit.
Ungekürzte Lesung mit Simon Jäger
32h 27min