Commissaire Cluzet und der Mann aus Stein - Commissaire Cluzet, Teil 1 (Ungekürzt)
Kritik
Ein Sommerurlaub voller Geheimnisse und alte Wunden, die einfach nicht heilen wollen – genau so startet „Commissaire Cluzet und der Mann aus Stein“. Urbain Cluzet, ein Ex-Kommissar, der eigentlich nur Ruhe in seinem Heimatdorf Auciel Haute sucht, wird schnell wieder in das Geschehen gezogen, als seine Enkelin Opfer eines raffinierten Bankbetrugs wird und der verantwortliche Banker auf mysteriöse Weise stirbt. Was nach einem idyllischen Normandie-Trip klingt, entpuppt sich als clever konstruiertes Ermittlungsdrama voller menschlicher Schwächen und Verstrickungen.
Cluzet als Figur ist eine echte Wucht: gealtert, aber scharfsinnig, mit einem Hauch Melancholie, der ihm Tiefe verleiht. Ihm gegenüber steht der etwas knorrige, nicht immer ganz souveräne Polizeichef Melki – eine erfrischende Dynamik, die das Teamplay in der Geschichte lebendig macht. Besonders charmant fand ich die lebendigen Szenen rund um das Dorfleben, die kleinen Rituale, wie den Calvados mit Bruno, und die Atmosphäre der Normandie, die hier fast zur dritten Hauptfigur wird.
Der Schreibstil von Alexandre Dupont ist entspannt und zugänglich, ohne in Klischees abzurutschen. Man merkt, dass er seinen Ermittler richtig gut kennt und hält die Spannung geschickt aufrecht, ohne zu übertreiben. Klar, hier und da hätten ein paar Charaktermomente noch etwas mehr Tiefe vertragen, und der Einstieg kommt nicht sofort voll in die Gänge – aber das legt sich schnell, versprochen!
Wer Krimis mag, die mehr sind als nur ein Rätsel und eine Leiche, die nach Gerechtigkeit schreit, ist hier genau richtig. Ideal für alle, die Lust auf einen ruhigen Kriminalroman mit viel Lokalkolorit und einer Portion Menschlichkeit haben. Keine rasante Action, aber sympathisch, clever und mit Herz.
Kurzum: Ein gemütlicher Krimi-Abend in bester Normandie-Manier, der Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – für starke Charaktere und ein stimmiges Setting, das zum Dranbleiben einlädt.