Wenn dir das hier gefiel …
Ostseehölle
Key Facts
Kritik
Sofort zieht einen „Ostseehölle“ in seinen Bann – es ist diese Mischung aus kühler Nordluft, gotischem Gemäuer und einem finsteren Geheimnis, die einen einfach nicht mehr loslässt. Der Einstieg in den Fall fühlt sich an wie ein Spaziergang durch verträumte Straßen Lübecks, der schlagartig in einen tiefdunklen Abgrund führt, als der leblosen Körper im Turm entdeckt wird.
Die Handlung ist clever gestrickt: Pia Korittki, unsere Ermittlerin mit Charakter, steht plötzlich mitten in einem Netz aus Chorgeheimnissen, Eifersüchteleien und ungelösten Fragen. Das Ganze wirkt überraschend lebendig, weniger stereotyp als man es von einem typischen Krimi erwarten würde. Besonders schön: Eva Almstädt schafft es, die Figuren wirklich greifbar zu machen. Pia wirkt authentisch, mit all ihren kleinen Macken und Ecken, so dass man sie fast auf einen Kaffee treffen möchte. Der Schreibstil ist flott, ohne übertrieben zu sein, und diese leichte Prise norddeutschen Humors bringt gelegentlich genau den richtigen Ton zum Runterkommen.
Ein paar Kleinigkeiten haben mich dennoch etwas gestört: Manche Wendungen wirken ein wenig vorhersehbar, und die Übergabe des Falls an Marten Unruh vom LKA kommt etwas überhastet daher – da hätte ich gerne mehr Einblick oder eigene Ermittlungsarbeit von Pia gesehen. Doch das schmälert den Lesespaß nicht groß.
Wer Lust auf solide Spannung mit einer Portion lokaler Atmosphäre hat, sich gerne auf eine Gruppe vielschichtiger Charaktere einlässt und ein bisschen rätseln will, ist hier genau richtig. „Ostseehölle“ ist kein High-End-Thriller, aber dafür ein angenehm unterhaltsamer und atmosphärisch dichter Krimi, der Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – für alle, die gern an der Ostseeküste rätseln und dabei auf den Boden der Tatsachen bleiben wollen.