Frankie
Kritik
Manchmal braucht es nur einen unerwarteten Begleiter, um plötzlich einen ganz anderen Blick auf die Dinge zu werfen – genau das passiert hier, und zwar auf höchst charmante Weise. In „Frankie“ begegnen wir Richard Gold, einem Mann am Abgrund, der kurz davor ist, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch gerade als alles vorbei sein soll, stolpert ihm ein ungewöhnlicher Mitbewohner zu: ein schlanker Kater mit jeder Menge Charakter und ordentlich Selbstbewusstsein, der kurzerhand beschließt, bei ihm einzuziehen.
Was als düstere Ausgangssituation beginnt, entwickelt sich schnell zu einer so unkonventionellen wie berührenden Freundschaft zwischen zwei scheinbaren Außenseitern – einem Mensch und einem Kater, die sich gegenseitig Halt geben. Jochen Gutsch erzählt das Ganze mit viel Witz und einer Prise Melancholie, dabei ist der Kater nicht nur ein tierischer Sidekick, sondern eine Art Erzähler mit Ecken und Kanten, der sein frisches Weltbild ungefiltert präsentiert. Dank der Stimme von Matthias Matschke in der Lesung bekommt „Frankie“ noch eine extra Portion Persönlichkeit und Charme – manchmal ertappt man sich dabei, wie man laut lachen muss, aber auch mit einem Kloß im Hals weiterscrollt.
Die Figuren sind nicht überdreht, sondern überzeugend menschlich, trotz der tierischen Perspektive. Gutsch schafft es, mit leichter Hand tiefgründige Themen wie Verzweiflung, Hoffnung und Freundschaft anzusprechen, ohne dass es schwer oder pathetisch wirkt. Einziger Wermutstropfen: Das Tempo ist manchmal etwas zäh, manche Passagen ziehen sich ein bisschen, was die Leichtigkeit etwas ausbremst. Aber das tut der Gesamterfahrung keinen großen Abbruch.
Wer also Lust auf eine unaufgeregte, zugleich nachdenkliche und humorvolle Geschichte hat, die zeigt, wie eine unerwartete Begegnung alles verändern kann, ist bei „Frankie“ genau richtig. Ein Wohlfühlbuch mit Tiefgang, das auf sanfte Weise daran erinnert, wie wichtig es ist, nicht aufzugeben – auch wenn’s manchmal echt schwerfällt.
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Richard Gold hat alles vorbereitet. Heute ist der Tag, an dem er sich das Leben nehmen wird. Der Strick liegt schon um seinen Hals, als sich ein dürrer Kater vor das Fenster setzt, interessiert glotzt – und Gold komplett aus dem Konzept bringt. Als dann der Kater auch noch bei Gold einzieht, weil der einen großen Fernseher hat, ein "extremst" weiches Bett und pünktlich Essen serviert, beginnt die skurrile Freundschaft zwischen zwei Außenseitern, von denen zumindest einer ganz fest an ein Happy End im Leben glaubt.
Ungekürzte Lesung mit Matthias Matschke
4h 17min