Inspektor Takeda und der schöne Schein - Inspektor Takeda ermittelt, Band 7 (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hat man sich in das gemütliche Herrenhaus und die feine Gesellschaft eingefunden, da schlägt die Stimmung schlagartig um – und Inspektor Takeda mittendrin. Henrik Siebold schafft es mit „Inspektor Takeda und der schöne Schein“ erneut, eine Atmosphäre zu weben, die nicht nur Fans von Krimis mit leichter östlicher Würze sofort packt. Ein Wochenende, das von Kunst, Antiquitäten und japanischer Kultur geprägt ist, schlägt rasch um in ein Spiel aus Täuschung, Intrigen und unerwarteten Wendungen. Ich war sofort mittendrin, fühlte die Spannung in jeder Unterhaltung und spürte die unterschwellige Gefahr hinter den hübschen Fassaden.
Im Zentrum steht Takeda selbst, der mit klugem Verstand und seinem ruhigen, sympathischen Wesen den Fall der doppelten Morde knackt. Dabei ist er nicht bloß ein Ermittler, sondern fast schon ein Vermittler zwischen den Kulturen und Welten, die hier aufeinandertreffen. Die Nebenfiguren, besonders die rätselhafte Ernestine von Remsau und die Gäste im Herrenhaus, sind so facettenreich, dass man ständig misstrauisch bleibt – wer hat hier wirklich etwas zu verbergen? Der Stil von Siebold ist angenehm klar, ohne zu trocken zu wirken, und gerade die leichten Einflüsse japanischer Denkweise verleihen dem Krimi einen besonderen Charme.
Klar, manche Wendungen wirken ein bisschen vorhersehbar, und an manchen Stellen hätte ich mir eine tiefere Einbindung in die Kunstszene gewünscht. Aber das sind Kleinigkeiten, die den Lesefluss kaum stören. Besonders die Balance aus Spannung und kultureller Tiefe hat mir gut gefallen – das ist kein seichter Thriller, sondern ein Buch, das Kopf und Herz gleichermaßen anspricht.
Wer Lust auf einen raffinierten Fall hat, in dem japanische Gelassenheit auf scharfkantige menschliche Abgründe trifft, der ist mit diesem siebten Band der Takeda-Reihe bestens bedient. Ein stimmiges Krimivergnügen mit genug Überraschungen, um nicht einfach durchzurascheln, aber auch leicht genug, um nicht zu überfordern.
4 von 5 Sternen – ein Tipp für Leser:innen, die gern mitdenken und dabei eine Prise Exotik nicht missen möchten.