Seegrund (Ein Kluftinger-Krimi 3)
Kritik
Schon die ersten Seiten von „Seegrund“ ziehen dich in eine düstere Atmosphäre am Alatsee, die sofort zum Miträtseln einlädt. Kommissar Kluftinger stößt auf eine höchst ungewöhnliche Spur – eine geheimnisvolle rote Substanz, die alles andere als Blut ist. Das ist der perfekte Auftakt für einen Fall, der tief unter die Oberfläche geht, wortwörtlich und im übertragenen Sinn.
Die Handlung schlängelt sich langsam, aber spannend durch ein Netz aus Tradition, Natur und menschlichen Abgründen. Kluftinger selbst bringt gewohnt bayerische Bodenständigkeit und eine Portion Grant mit, die ihn so sympathisch und nahbar macht. Die weibliche Ermittlungsunterstützung sorgt zum Glück für frischen Wind und gab mir ein paar schöne Momente, in denen das übliche Kluftinger-Chaos charmant aufgelockert wurde.
Der Schreibstil der beiden Autoren gefällt mir besonders: locker, mit feinem Humor, der nie aufgesetzt wirkt, und einer ganz eigenen Leichtigkeit, die auch das plötzlich sehr dunkle Setting ausbalanciert. Man merkt, da steckt viel Herzblut drin, und genau das macht den Reiz aus.
Klar, bei mancher Figur hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefe gewünscht, und das Tempo zieht manchmal etwas schleppend an – aber das passt zum gemütlichen Allgäuer Charme und ist deswegen kein echtes Manko.
Wer Lust auf einen Krimi hat, der nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch ein Stück Heimatgefühlt und eine Prise skurrilen Lokalkolorit bietet, ist hier genau richtig. „Seegrund“ macht Spaß, regt zum Nachdenken an und lässt dich mit einem Grinsen im Gesicht zurück.
Ich vergebe solide 4 von 5 Sternen – ein bisschen mehr Tempo und mehr Figurenexploration hätten dem Fall noch den letzten Schliff gegeben. Trotzdem: absolut empfehlenswert!