Wem du traust
Kritik
Manchmal reicht ein falscher Moment, um ein Leben auf den Kopf zu stellen – genau damit fängt „Wem du traust“ von Petra Johann an, und ehrlich, ich war sofort mitten im Sog. Die Geschichte katapultiert uns in eine vermeintlich perfekte Familienidylle am Stadtrand, die plötzlich Risse bekommt, als die fünfzehnjährige Sofia spurlos verschwindet. Eva, die Mutter und eigentlich der Ruhepol, steht plötzlich vor einer kaum auszuhaltenden Frage: Wem kann sie überhaupt noch vertrauen? Besonders ihr eigener Mann Daniel gerät unter Verdacht – und mit jedem Kapitel steigt die Spannung so richtig an.
Die Figuren sind kein bisschen flach, sondern lebendig und vielschichtig. Eva wirkt wie eine Frau, die man aus dem echten Leben kennen könnte – manchmal stark, manchmal verzweifelt, trotzdem glaubwürdig. Daniel wiederum gibt Rätsel auf, seine Ambivalenz sorgt für ordentlich Drama. Was ich an Johann besonders mochte, ist ihr knackiger, klarer Stil: Die Seiten fliegen nur so dahin, ohne langatmiges Gefasel oder übertriebene Dramen. Dabei schafft sie es, Atmosphäre und unterschwelligen Suspense smart aufzubauen – da fühlt man die Anspannung förmlich auf den Seiten knistern.
Ein kleiner Minuspunkt ist vielleicht, dass manche Wendungen etwas zu plump oder vorhersehbar sind, gerade für Leser:innen, die viel Thriller-Erfahrung mitbringen. Aber hey, wer sich auf den Story-Ritt einlässt und sich nicht nur an der ein oder anderen Stelle auf den Kopf stellt, bekommt genug Nervenkitzel geboten, um dran zu bleiben.
Also: Wer Lust auf einen spannenden Familien-Thriller mit Ecken und Kanten hat, der weniger Hollywood-Blockbuster als vielmehr echtes Leben mit dunklen Geheimnissen erzählt, sollte hier unbedingt zugreifen. Petra Johann gelingt ein solides Werk, das Spaß macht und einen nicht so schnell loslässt.
Ich gebe „Wem du traust“ 4 von 5 Sternen. Sollte definitiv auf eurer Merkliste stehen, wenn ihr auf psychologische Spannung steht, die nicht zu überdreht wirkt.