Butter (Ungekürzt)
Kritik
Wer Lust auf einen Roman hat, der sich nicht nur um Essen dreht, sondern um das Leben selbst – seine Freuden, Widerstände und die kleinen Rebellionen – der sollte „Butter (Ungekürzt)“ von Asako Yuzuki unbedingt anpacken. Die Geschichte ist so vielschichtig wie der Geschmack von Butter auf frisch gebackenem Brot: einfach, ehrlich und dabei überraschend tiefgründig.
Im Zentrum steht Rika, eine junge Journalistin aus Tokio, die eine faszinierende Begegnung macht: Sie trifft Manako Kajii, eine angebliche Serienmörderin, die Männer mit ihren Kochkünsten verführt, um sie danach umzubringen. Klingt erst mal ziemlich düster, aber keine Sorge, das Buch ist alles andere als ein schnöder Thriller. Manako selbst verabscheut laut eigener Aussage „Margarine und Feministinnen“ – was sofort neugierig macht auf ihre komplexe Persönlichkeit und ihre ungewöhnliche Philosophie. Ihr gemeinsamer Austausch über Kochen wird zum Vehikel für eine größere Geschichte, die Genuss, Lebenslust und den Kampf gegen patriarchale Erwartungen verhandelt.
Die Figuren sind stark gezeichnet, besonders Manako strahlt eine magische Anziehungskraft aus, die gleichzeitig verstörend und faszinierend ist. Der Schreibstil von Yuzuki ist locker, manchmal fast wie ein vertrautes Gespräch, das einem ganz nebenbei wichtige Gedanken ins Herz pflanzt. Man merkt, dass hier jemand mit Leidenschaft und Augenmaß schreibt – so macht Lesen Spaß, ohne dass es langweilig oder zu „hochgestochen“ wird.
Klar, ab und zu hätte ich mir gewünscht, dass manche Gedanken noch ein wenig weitergedacht werden, oder manche Dialoge etwas knackiger sind. Aber das schmälert die Wirkung des Buchs kaum. „Butter“ ist kein Geschmacksurteil, sondern eine Einladung zum Nachdenken – über Genuss, Freiheit und die Zwänge, in denen wir stecken.
Kurz gesagt: Dieses Buch ist genau richtig für alle, die gerne über den Tellerrand blicken und sich mit ungewöhnlichen Charakteren auf eine besondere Reise einlassen wollen. Wer literarischen Genuss mag, ohne sich abzustrampeln, findet hier sein neues Lieblingsstück.
Bewertung: 4 von 5 Sternen – cremig, intensiv und mit einer Prise Rebellion.