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Autor:
Erschienen:
2025-08-12
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Botanik des Wahnsinns

Kritik

Manchmal reicht ein einziger Moment aus – der Blick auf den Müll, der alles enthält, was vom eigenen Leben übrigbleibt –, um eine ganze Familiengeschichte neu zu sehen. Genau so ergreifend beginnt „Botanik des Wahnsinns“ von Leon Engler, und man wird sofort hineingezogen in diese verzweigte, wilde Welt zwischen Wahnsinn und Hoffnung.

Im Kern erzählt der Roman von einer Familie, deren Abgründe fast ins Unerträgliche gehen: bipolar, suizidgefährdet, suchtbelastet – eine Reihe an Schicksalen, die sich auf bedrückende, aber auch manchmal überraschend humorvolle Weise spiegeln. Der Erzähler selbst ringt mit seiner Angst, dem familiären „Erbe“ zu entkommen, flieht nach New York oder Wien und findet schließlich als Psychologe nicht nur Zuversicht, sondern auch eine so wichtige menschliche Erkenntnis: Menschen sind eben viel mehr als ihre Diagnosen. Dass er dabei nicht in schnöde Psychokrimis verfällt, sondern mit Leichtigkeit und Tiefe erzählt, macht das Buch wirklich besonders.

Englers Stil ist lässig und doch nie oberflächlich, so als würde man einem alten Freund bei einem Glas Kaffee in einem Wiener Kaffeehaus zuhören. Sehr angenehm! Die Hauptfigur und seine Familie sind keine Stereotypen, sondern komplexe Menschen, teilweise chaotisch, manchmal verzweifelt, aber immer mit einem Herz, das durch die Risse leuchtet. Hier steckt eine zärtliche Versöhnung drin, die sich im Strudel von Psychiatrie und Alltag tatsächlich tröstlich anfühlt.

Klar, gelegentlich zieht sich die Geschichte an manchen Stellen etwas, weil das Erzählen manchmal mehr an eine Familienchronik als an einen Roman erinnert. Für Leser:innen, die sich ein bisschen mehr Tempo oder dynamischere Handlung wünschen, könnte das ein kleiner Bremsklotz sein. Aber wer offen ist für eine tiefgründige, emotionale Reise, wird das locker verzeihen.

Kurzum: „Botanik des Wahnsinns“ ist kein lautes, wildes Buch, sondern ein feines, ehrliches Porträt vom Umgang mit Verrücktsein, in dem das Menschliche immer im Vordergrund steht. Eine klare Empfehlung, wenn ihr auf Geschichten steht, die unter die Haut gehen und zum Nachdenken einladen.

4 von 5 Sternen – weil es bewegt, verstört und tröstet, ohne je den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Klappentext

Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet – als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch. Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung. Nominiert für den ZDF-"aspekte"-Literaturpreis 2025. »Ein fantastisches Buch – abgrundtief und doch tröstend. Hab's verschlungen.« DORIS DÖRRIE »Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« SIRI HUSTVEDT

FAQ

Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können?…

Wenn du Lust auf einen spannenden Page‑Turner hast, ist das ein guter Start.

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