Frankie – Unter Menschen
Kritik
Manchmal braucht man einfach eine Geschichte, die einem mitten ins Herz schleicht – und genau das schafft „Frankie – Unter Menschen“ mit Leichtigkeit. Hier ist kein klassisches Katzen-Abenteuer am Start, sondern eine wundervolle Reise von einem kleinen Kater, der plötzlich seinen vertrauten Kosmos verliert und sich in einer fremden, eher rauen Welt wiederfindet.
Frankie, verwöhnt und verwirrt, bewegt sich auf einem Pfad voller überraschender Begegnungen: mit der geheimnisvollen Shattab, die selbst eine Geschichte mit Ecken und Kanten hat, und einer bunten Riege skurriler Figuren, die alle ihren Teil zur Geschichte beitragen. Jochen Gutsch erzählt das Ganze mit einer leichten, fast unaufdringlichen Ironie, die immer wieder zum Schmunzeln bringt – aber auch mit dem nötigen Ernst, wenn es um Freundschaft, Verlust und Heimat geht. Besonders aufgefallen ist mir, wie authentisch die Figuren sind, ohne übertrieben zu wirken. Selbst die kleinen Aaskrähen bekommen Charakter, die man kaum vergisst.
Der Stil ist schlank, frisch und fließt so angenehm, dass man die knapp sechs Stunden Hörzeit fast im Vorbeigehen verschlingt. Matthias Matschkes Stimme gibt dem Ganzen noch eine warme, lebendige Note, die die Emotionen wunderbar einfängt – ja, das Hörbuch macht echt Spaß und gerade deshalb fühlt sich die Reise so nah an. Ein kleines bisschen hadere ich mit dem Tempo an manchen Stellen, die Erzählung hätte meiner Meinung nach hier und da etwas knackiger sein können, ohne dabei an Tiefe einzubüßen. Ein paar Passagen wirken etwas zu routiniert, was die Spannung ein wenig dämpft.
Wenn ihr Lust auf eine Geschichte habt, die mehr ist als ein Katzenbuch, die mit Herz, Humor und Tiefgang punktet und sich nicht mit Klischees aufhält, ist „Frankie – Unter Menschen“ absolut eine Empfehlung wert. Perfekt für alle, die gern zuhören, mitfühlen und sich auf eine schräg-schöne Freundschaft einlassen wollen.
4 von 5 Sternen – weil Frankie nicht nur einem Tier, sondern auch dem Zuhörer zeigt, wie kostbar Zusammenhalt sein kann.
Klappentext
Im Grunde hat Frankie alles, was ein Kater braucht: Riesen-Fernseher, Riesen-Bett, Futter mit viel Soße. Nur sein Menschenfreund Gold fehlt ihm, der seit Monaten in der Klapse sitzt. Eines Tages gerät Frankie nach einem nächtlichen Streifzug in ein Müllauto, das mit ihm davonfährt. Weit weg von seinem Zuhause. Von allem, was er kannte. Verzweifelt sucht Frankie nach einem Weg zurück. Dabei trifft er auf ein Mädchen, die rätselhafte Shattab. Sie ist allein, schmutzig und abgehauen aus der "Kanakensammelstelle", wie sie sagt. Und so beginnt ein großes Abenteuer und die Reise durch ein Land, in dem beide Fremde sind.
Zusammen begegnen sie den unterschiedlichsten Gestalten, Menschen wie Tieren. Einer alten Frau, die vielleicht mal die Fotografin von John Lennon war, zwei belesenen Aaskrähen, brutalen Jugendlichen ohne Herz. Frankie und Shattab rauben "moralisch" eine Tankstelle aus, sie fliehen auf eine Hühnermastfarm, sie treiben auf einem Fluss Richtung "Arsch der Welt". Und die ganze Zeit über ist ein "Sheriff" auf der Jagd nach dem Mädchen.
Die unvergessliche Geschichte einer zarten Freundschaft und darüber, was es bedeutet, sein Zuhause zu verlieren. Witzig, klug und zutiefst bewegend.
Ungekürzte Lesung mit Matthias Matschke
5h 56min