Gretas Männer
Kritik
Manchmal begegnet man einem Buch, das einen sofort in den Bann zieht – und „Gretas Männer“ von Judith Reusch gehört genau dazu. Die Geschichte einer Frau, die fünfmal heiratet und fast alle Ehemänner auf tragische Weise verliert, klingt erst mal nach schwerer Kost. Überraschenderweise ist das Buch aber alles andere als düster oder erdrückend. Stattdessen lädt es dazu ein, sich auf Leben, Liebe und den unerschütterlichen Willen zum Weitergehen einzulassen.
Im Mittelpunkt steht Greta, liebevoll die „Bienenkönigin“ genannt, deren ungewöhnliches Schicksal von den 1950er Jahren bis heute erzählt wird. Ihre Enkelin Lola bringt mit der Namensgebung ihrer kleinen Tochter eine alte Familiengeschichte wieder zum Leben und öffnet damit die Tür zu Gretas bewegtem Leben – voll von überraschenden Wendungen und dieser starken, eigenständigen Frauen-Persönlichkeit, die sich trotz Schmerz und Verlust immer wieder neu erfindet. Die Figuren sind dabei wunderbar lebendig gezeichnet, besonders Greta mit all ihren Widersprüchen und ihrer Lebenslust fühlt sich authentisch und nahbar an.
Judith Reusch schreibt dabei so flüssig und locker, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Ihre Sprache trifft genau den richtigen Ton zwischen leichtfüßig und tiefgründig – ohne je ins Kitschige abzurutschen. Die Erzählstruktur, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart springt, hält die Spannung hoch und zeigt, wie sehr das Leben sich auch nach schweren Schicksalsschlägen weiterdreht.
Kritisch muss ich sagen, dass an manchen Stellen das Tempo etwas leidet und sich die Geschichte ein bisschen zieht. Auch hätte ich mir an manchen Stellen mehr Mut zu klaren Aussagen bei den Familienkonflikten gewünscht – da bleibt es hin und wieder etwas zu vage. Aber nichts, was den Lesespaß wirklich trüben würde.
Wer also Lust auf eine warmherzige, lebensbejahende Geschichte mit viel weiblicher Power und echten Emotionen hat, ist hier genau richtig. „Gretas Männer“ ist ein Buch für alle, die gerne in Geschichten eintauchen, die vom Aufbruch, vom Festhalten und vom Loslassen erzählen – eben ganz real und nah am Leben.
4 von 5 Sternen. Ein starker Roman über das, was wirklich zählt: die Kraft, immer wieder neu anzufangen.