Der Tower (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Kaum angefangen zu hören, hat mich „Der Tower“ regelrecht eingesogen – dieses Zusammenspiel aus Luxus, Geheimnissen und unterschwelliger Gefahr macht sofort Lust, weiterzutauchen. Nova, unsere Protagonistin, schreitet in ein vermeintliches Paradies im Herzen Berlins – ein gläserner Wolkenkratzer, der jeden Wunsch erfüllt und doch eine düstere Geschichte verbirgt. Dass sie dabei nicht nur ein neues Zuhause, sondern eine lebensbedrohliche Wahrheit findet, bringt ordentlich Spannung ins Spiel.
Nova ist keine klassische Heldin à la Hollywood, sondern jemand, mit dem man sich schnell identifizieren kann: jung, ehrgeizig, aber auch verletzlich und voller Fragen. Ivar Leon Mengers Erzählstil im Hörbuch fühlt sich natürlich und nah an, die ungekürzte Lesung verleiht der Geschichte eine angenehme Tiefe – man spürt die Atmosphäre von Hightech-Glanz und unterschwelliger Bedrohung gleichermaßen. Besonders gelungen finde ich, wie die Autorin mit kleinen Details eine Welt erschafft, die fast schon heimelig wirkt, aber kratzig unter der Oberfläche bleibt.
Im Tempo schwankt die Geschichte hin und wieder: Manche Passagen ziehen sich ein bisschen, was die Spannung kurzzeitig dämpft. Hier hätte ich mir etwas mehr Schwung gewünscht, um das Tempo bis zum Ende hochzuhalten. Trotzdem wird man nicht gelangweilt, denn der Mysterie-Faktor bringt immer wieder neue Überraschungen mit sich.
Wer Lust auf einen modernen Thriller mit Sci-Fi-Anleihen, einem Schuss Sozialkritik und einer jungen Frau hat, die mehr auszuhalten hat, als ihr lieb ist – der ist bei „Der Tower“ genau richtig. Für alle anderen, die es lieber durchgehend rasant mögen, könnte der Langsamkeitseffekt gelegentlich zäh wirken.
Unterm Strich ein kurzweiliger Hörgenuss mit Ecken und Kanten, der vor allem durch seine Stimmung und die starke Hauptfigur punktet. Von mir gibt es solide 4 von 5 Sternen. Ein Hörbuch, das ich gern weiterempfehle – gerade, wenn du Lust auf eine Story hast, die mehr ist als ein simpler Wohnungskrimi.