Wenn dir das hier gefiel …
Die Erfindung des Lächelns
Key Facts
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Die Erfindung des Lächelns“ aufgeschlagen, fühlt man sich direkt in das quirlig-bunte Paris der Belle Époque katapultiert – man riecht förmlich den staubigen Absinthe, hört das Flüstern der Künstlercafés und spürt das Knistern einer Stadt, die vor Veränderung brodelt. Die Geschichte beginnt mit einem echten Knaller: Die Mona Lisa ist verschwunden. Und nicht irgendein Bild, sondern DAS Meisterwerk schlechthin, das die Gemüter und Herzen weltweit bewegt. Schon allein die Vorstellung, dass man gemeinsam mit Kommissar Juhel Lenoir durch die Straßen jagt, treibt einen förmlich voran.
Juhel Lenoir ist dabei keine typische Ermittlerfigur – er wirkt authentisch, manchmal müde vom Strudel der Geschichte, und doch mit einem unerschütterlichen Pflichtgefühl ausgestattet. Man begleitet ihn auf der Suche nach einem fast mythischen Kunstwerk und trifft dabei auf eine bunte Riege historischer Persönlichkeiten, die dem Roman einen veritablen Charme verleihen: Picasso, Apollinaire, Isadora Duncan und sogar Aleister Crowley – das ist wie ein Spaziergang durch ein lebendig gewordenes Museum der Belle Époque. Der spannende Mix aus Krimi und Kulturgeschichte ist genau das, was dieses Buch so erfrischend macht. Tom Hillenbrands Erzählstil ist dabei angenehm lebendig und detailverliebt, ohne jemals ins Stockende abzudriften. Er schafft es, große Kunst und harte Ermittlungsarbeit miteinander zu verbinden, ohne dass das eine das andere überschattet.
Was mir besonders gut gefallen hat: Hier steckt so viel Liebe zum historischen Setting und zur Pariser Atmosphäre drin, dass man sich stellt und denkt: „Ach, vielleicht bekomme ich doch noch Lust, eine Reise in diese Zeit zu machen.“ Allerdings gibt es auch Momente, in denen die vielen Figuren und Handlungsstränge fast ein wenig überwältigend werden – hier hätte etwas mehr Fokus gut getan, denn manchmal verliert man sich in Details, die die Spannung minimal ausbremsen.
Wer also Lust auf einen literarischen Trip in ein schillerndes, faszinierendes Paris voller Kunst, Geheimnisse und schicksalhafter Begegnungen hat, wird hier bestens bedient. Ein faszinierendes Stück Geschichte, bei dem man nicht nur miträtselt, sondern auch durch eine Zeit reist, die verzaubert. Für mich 4 von 5 Sternen – ein echter Lesegenuss mit kleinen Schwächen, aber großer Wirkung.
Klappentext
Als der Pariser Louvre am 22. August 1911 seine Pforten öffnet, fehlt im Salon Carré ein Gemälde: Leonardo da Vincis »Mona Lisa«. Sofort versetzt der Polizeipräfekt seine Männer in höchste Alarmbereitschaft, lässt Straßen, Bahnhöfe und sogar Häfen sperren. Doch es ist zu spät. La Joconde ist verschwunden. Juhel Lenoir von der Pariser Polizei soll es finden – und die Welt schaut ihm dabei zu …
Commissaire Lenoir lebt in der aufregendsten Stadt der Welt – und bekommt den schwierigsten Auftrag, den er sich vorstellen kann: das Bild zu finden, das die Welt betört. Wen hat die »Mona Lisa« so sehr bezirzt, dass er nicht mehr ohne sie leben konnte? Auf seiner Jagd trifft der Ermittler auf den Maler Pablo Picasso und den Dichter Guillaume Apollinaire, die Ausdruckstänzerin Isadora Duncan und ihren Guru, den Satanisten Aleister Crowley, die Musiker Igor Strawinsky und Claude Debussy, die brutalen Anarchisten der Bonnot-Bande und Frankreichs größten Detektiv, Alphonse Bertillon, den »lebenden Sherlock Holmes«. Wer von ihnen ist in die Geschichte des verschwundenen Bildes verwickelt?
Die Suche nach der »Mona Lisa« führt durch das Paris der ausgehenden Belle Époque, durch Künstlercafés auf dem Montmartre, in die Opéra Garnier, zu dekadenten Grandes Fêtes im Bois de Boulogne und in absinthgetränkte Spelunken an der Place Pigalle. Dieser historische Roman ist gleichzeitig Detektivroman und Gemälde einer Ära, in der Paris das Zentrum der Welt war.