Tante Poldi und die Früchte des Herrn
Kritik
Schon beim Aufschlagen von „Tante Poldi und die Früchte des Herrn“ fühlt man sich sofort wie zu Besuch bei einer guten alten Freundin, die zwar eigenwillig, aber unheimlich herzlich und lebendig ist. Mario Giordano schafft es, mit dieser Geschichte nicht nur einen spannenden Kriminalfall zu erzählen, sondern dabei auch die Sonne Siziliens und den prickelnden Charme seiner Protagonistin auf die Seite zu zaubern.
Im Zentrum steht Tante Poldi, die sich in dieser Folge richtig was gefallen lassen muss: Wasser abgestellt, verschwundener Hund und dann noch ein mysteriöser Mordfall, der sie mehr mit Stolz als mit Zurückhaltung in den Bann zieht. Dass sie dabei ausgerechnet auf den attraktiven Winzer Avola trifft, macht die Sache nicht einfacher – und ein bisschen ganz schön unterhaltsam. Poldi ist herrlich schlagfertig, unkompliziert und zugleich tiefgründig, man mag sie einfach sofort. Der Schreibstil ist locker, mit einer Prise Ironie gewürzt, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Giordano versteht es, Humor und Drama so zu mischen, dass man kaum merkt, wie schnell man das Buch durchliest.
Wer auf krimiartige Geschichten mit viel Lokalkolorit, charmanten Charakteren und einer ordentlichen Portion Lebensfreude steht, der ist hier genau richtig. Klar, manchmal schleichen sich kleine Vorhersehbarkeiten ein, und die Ermittlungen fühlen sich zwischendurch mal etwas gemütlich an – aber das tut dem Lesespaß kaum Abbruch. Mir fehlte ein winziger Tick mehr Tempo, vor allem gegen Ende, doch das ist Meckern auf hohem Niveau.
Fazit: Ein richtig gutes Buch für alle, die Lust auf eine Krimigeschichte mit mediterranem Flair und einer taffen Protagonistin haben, die einem einfach ans Herz wächst. „Tante Poldi und die Früchte des Herrn“ bringt Spannung, Witz und ein wenig sinnliches Kopfkino zusammen – eine wirklich gelungene Mischung.
4 von 5 Sternen.