Der Botaniker : Kriminalroman (Washington Poe und Tilly Bradshaw ermitteln)
Kritik
Schon die Idee eines Mörders, der seine Opfer mit Gedichten und getrockneten Blumen „ankündigt“, ist so ungewöhnlich, dass man sofort neugierig wird – und M.W. Craven enttäuscht nicht. In „Der Botaniker“ schnürt sich der Thriller zu einem düsteren Puzzle zusammen, in dem Washington Poe und Tilly Bradshaw zwischen einem fast übernatürlich scheinenden Killer und einem skandalösen Verdacht innerhalb Poes Privatleben jonglieren müssen. Klingt spannend? Ist es auch.
Worum geht’s? Der Botaniker, ein kaltblütiger Serienmörder, der mit bizarre Zeichen seine Taten garniert, treibt die Polizei in den Wahnsinn, denn trotz Überwachung gelingt es ihm immer wieder, zuzuschlagen. Gleichzeitig sitzt Poes Freundin Estelle plötzlich selbst in der Schusslinie der Ermittlungen. Die beiden Fälle wirken voneinander getrennt, doch Poe und Tilly erinnern uns daran, wie eng Privates und Berufliches miteinander verwoben sein können – und wie gefährlich das wird.
Washington Poe ist der klassische, clevere Ermittler, der trotz persönlicher Belastungen nicht den Kopf verliert. Tilly Bradshaw dagegen sprüht vor Intelligenz, ist aber manchmal so sozial unbeholfen, dass man schmunzeln muss – ein Duo, das menschlich wirkt, mit Ecken und Kanten. Craven schreibt in einem flotten, bildhaften Stil, der nie zu trocken oder überladen ist. Besonders gut gefallen hat mir, wie er die Atmosphäre bedrohlich, aber immer realistisch hält, ohne sich in Blutorgien zu verlieren.
Was mir ein bisschen gefehlt hat? Manche Wendungen geraten vielleicht etwas vorhersehbar, und ab und zu plätschert das Tempo geringfügig. Aber das schmälert den Lesespaß kaum, weil die Figuren so stark sind und der Fall einfach fesselt.
Kurzum: Wer auf clevere, unkonventionelle Krimis steht, die nicht nur nervenaufreibend sind, sondern auch mit gut ausgearbeiteten Charakteren punkten – hier seid ihr richtig. Perfekt für alle, die mehr als nur einfache „Whodunits“ mögen und auch vor einer Prise Psychologie nicht zurückschrecken.
4 von 5 Sternen – spannend mit Tiefgang, leichte Schwächen, aber absolut lesenswert!
Klappentext
Er schickt seinen Opfern Gedichte und getrocknete Blumen, bevor er sie vergiftet – und er kann offenbar durch Wände gehen, denn selbst Polizeischutz rund um die Uhr kann ihn nicht stoppen. »Der Botaniker«, wie ihn die Presse nennt, hat bereits drei Opfer auf dem Gewissen und ein viertes ausgewählt. Für DS Washington Poe kommt der scheinbar unmögliche Fall zur Unzeit: Seine Freundin, die geniale Pathologin Estelle Doyle, wird verdächtigt, ihren Vater erschossen zu haben. Die Beweise sind erdrückend. Unterstützt von der brillanten, aber sozial inkompatiblen Analystin Tilly Bradshaw versucht Poe, zwei Rätsel zu lösen, die vermeintlich nichts miteinander zu tun haben …