Wenn dir das hier gefiel …
Der Struwwelpeter
Key Facts
Kritik
Kaum ein Buch weckt so widersprüchliche Gefühle wie „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann – eine bunte Mischung aus Gruselgeschichten und moralischen Lektionen, die schon seit Generationen Kinderherzen (und Nerven) herausfordert. Wer ein klassisches Bilderbuch mit süßen Tierchen erwartet, liegt hier definitiv falsch. Stattdessen erwarten dich schräge Figuren wie der wildzornige Peter mit seinen wilden Haaren oder die unartig spielenden Kinder, die für ihre Frechheiten ziemlich drastisch „bestraft“ werden.
Die Geschichten sind kurz und knackig erzählt – fast wie kleine Theaterstücke, die vor allem eines wollen: erziehen, und zwar auf ihre ganz eigene, manchmal ziemlich ruppige Art. Hoffmanns Stil ist simpel, aber prägnant, perfekt für das Vorlesen, und sorgt für einen lebendigen Rhythmus. Die Sprache nimmt dich mit in eine andere Zeit, was seinen ganz eigenen Charme hat. Besonders ins Auge sticht, wie moralische Vorstellungen früher vermittelt wurden – das regt zum Nachdenken an, vor allem wenn man die schroffen Konsequenzen der Abenteuer bedenkt.
Aber – und hier wird’s tricky – die berühmten Bilder fehlen in dieser Version leider größtenteils. Das ist wirklich schade, denn die Illustrationen gehören zum Herzstück des Buches und machen den makabren Humor erst richtig greifbar. Ohne die starken Bildmotive geht der Funke doch etwas verloren. Außerdem sind manche Passagen für kleine Kinder definitiv zu gruselig – da sollte man lieber genau überlegen, wann man das Buch hervorholt. Trotz des nostalgischen Flairs merkt man in manchen Momenten, dass das Werk nicht mehr ganz zeitgemäß ist und einiges an Erziehungsmethoden heutzutage so nicht mehr durchginge.
Kurz gesagt: Wer neugierig auf einen Klassiker der Kinderliteratur ist, gerne über moralische Strenge diskutiert und sich nicht an der etwas ruppigen Erziehungskunst stört, kann hier durchaus einen besonderen Schatz entdecken – wenn da nur nicht die fehlenden Bilder wären. Für Familien mit kleinen Kindern oder alle, die einen bildstarken Zugang brauchen, ist diese Ausgabe eher nicht zu empfehlen.
2,5 von 5 Sternen – ein historisches Kuriosum mit Kultstatus, das aber in dieser Form etwas von seinem Zauber verliert.