Tschick (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Schon nach den ersten Minuten fühlt man sich direkt mitten drin in diesem ziemlich verrückten und doch so ehrlichen Abenteuer. Maik, der eher unscheinbare Außenseiter aus reichem Hause, trifft auf Tschick, den geheimnisvollen Jugendlichen mit russischen Wurzeln und einem rätselhaften Charme. Zusammen machen sie sich einfach mit einem gestohlenen Lada auf den Weg durch die deutsche Provinz – und was dann passiert, ist eine Art Roadtrip ins Erwachsenwerden, voller unerwarteter Begegnungen und einfacher, aber tiefgründiger Momente.
Die Figuren sind so wunderbar ungeschliffen und echt, dass man fast vergisst, dass sie erfunden sind. Maiks leise Verliebtheit, Tschicks wilde Energie und ihr gegenseitiges Anfahren und Verstehen strahlen eine unglaublich frische Dynamik aus. Herrndorfs Erzählstil ist dabei so locker und gleichzeitig liebevoll, als würde ein guter Freund aus der Nachbarschaft die Geschichte erzählen – mal schräg, mal poetisch, dann wieder herrlich derb.
Besonders besticht die Lesung dadurch, dass man die Charaktere mit jeder Silbe fühlen kann. Die kreativen Alltagsbeobachtungen und der unaufgeregte Humor machen „Tschick“ zu einem kleinen literarischen Schatz für alle, die sich nach einer Geschichte sehnen, die genau zwischen Jugendwirrwarr und großer Sehnsucht pendelt. Einziger kleiner Minuspunkt: Manchmal zieht sich die Handlung ganz kurz, weil die ruhigeren Passagen etwas mehr Drive vertragen hätten. Aber das spielt wirklich nur am Rand eine Rolle.
Kurz gesagt: Wer Bock auf eine unkonventionelle Freundschaftsgeschichte hat, die mit viel Herz und einer Prise Chaos erzählt wird, sollte „Tschick“ unbedingt hören. Ein mitreißendes Hörspiel, das lange im Kopf bleibt und irgendwie die Magie einer ausgelassenen Sommerreise einfängt.
4 von 5 Sternen – absolut hörenswert, gerade für alle, die sich gern auf eine Reise ins Leben der Außenseiter einlassen wollen.