Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)
Kritik
Schon das erste Kapitel von „Muttertag“ zieht dich unweigerlich in seinen Sog – ein toter Mann in einem verlassenen Fabrikgebäude, ein fast verhungerter Hund und menschliche Knochen, die unheilvolle Fragen aufwerfen. Nele Neuhaus versteht es erneut, das typisch düstere Flair ihrer Bodenstein-Kirchhoff-Reihe mit Spannung und emotionaler Tiefe zu verbinden.
Diesmal sind es die rätselhaften Morde an Frauen, die sich alle an einem bestimmten Sonntag im Mai zugetragen haben, die das Ermittlerduo Pia Sander und Oliver von Bodenstein vor eine harte Probe stellen. Besonders gelungen finde ich die kleinen Einblicke in Pia als Frau und Ermittlerin, die hier menschlich und verletzlich wirkt, ohne an Professionalität zu verlieren. Und Henning Kirchhoff gibt mit seiner Rolle als Rechtsmediziner der Geschichte eine weitere spannende Facette.
Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und fesselnd, mit genau der richtigen Dosis an Ermittleralltag und psychologischer Spannung – da kommt kein Moment Langeweile auf! Ein bisschen konstruiert wirken manche Zusammenhänge gegen Ende, und die Vielzahl der Nebenfiguren kann teilweise wenige Orientierung verlangen, aber das stört den Lesefluss kaum.
Wer Krimis mag, bei denen der Schwerpunkt weniger auf spektakulärer Action, sondern mehr auf psychologischem Kammerspiel und subtiler Spannung liegt, ist mit „Muttertag“ bestens bedient. Ein klassisches Nele-Neuhaus-Buch, das zum Miträtseln einlädt und mit seinen dunklen Geheimnissen noch lange nachhallt.
4 von 5 Sternen – ein solider, äußerst unterhaltsamer Krimi, der Lust macht, die Reihe weiterzuverfolgen. Wer Bodenstein und Kirchhoff schon kennt, kann hier ohne Zweifel zugreifen.