Nordlicht - Das fremde Gesicht
Kritik
Kaum hat man „Nordlicht – Das fremde Gesicht“ aufgeschlagen, wird man sofort in eine düstere und spannungsgeladene Atmosphäre katapultiert, die einen so schnell nicht mehr loslässt. Anette Hinrichs versteht es meisterhaft, die eisige Stimmung des deutsch-dänischen Grenzlands einzufangen und mit einer beklemmenden Mordserie zu verweben, die einen bis zur letzten Seite gefangen hält.
Im Mittelpunkt steht das Ermittlerduo Boisen & Nyborg, dessen Dynamik ich besonders gelungen fand. Nyborg wirkt anfangs etwas zerstreut und mit eigenen Problemen beschäftigt, was dem Charakter Tiefe verleiht – da denkt man schon mal kurz: „Komm jetzt, Rasmus! Konzentrier dich!“ Die Handlung ist clever aufgebaut und wir erfahren Stück für Stück, wie die Opfer alle auf mysteriöse Weise verbunden sind. Wer sich für komplexe Thriller mit einem nordischen Touch interessiert, wird hier bestens bedient.
Hinrichs’ Schreibstil ist dabei angenehm schnörkellos, direkt und mit einer Prise lakonischem Humor durchzogen, der das düstere Thema etwas auflockert, ohne die Spannung zu schmälern. Die Beschreibungen der Landschaft und des Lebens an der Grenze sind ein echtes Plus – man fühlt sich fast wie vor Ort. Ein bisschen mehr Tiefgang bei den Nebenfiguren hätte ich mir noch gewünscht, aber das schmälert den Lesespaß nur marginal.
Für Fans von skandinavischen Thrillern mit deutscher Note ist „Nordlicht – Das fremde Gesicht“ definitiv ein Volltreffer. Wer allerdings leichte Kost sucht oder bei komplexeren Mordfällen gerne den Überblick verliert, könnte gelegentlich den Faden verlieren. Insgesamt aber ein fesselnder Krimi, der Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – spannender Thriller, der mit Atmosphäre und Charakteren punktet, kleine Schwächen in der Figurenzeichnung inklusive. Absolute Leseempfehlung für alle Nordlichter und Krimifreunde, die es etwas rauer mögen.
Klappentext
Eine schreckliche Mordserie zieht sich vom deutsch-dänischen Grenzland bis nach Kopenhagen: Ein Pferdezüchter im nordfriesischen Süderlügum wird kreuzförmig aufgehängt im Stall entdeckt, ein Gastronom im dänischen Tøndern sitzt tot an einem gedeckten Tisch, in Kopenhagen treibt die Leiche eines Geschäftsmanns nackt im Hafenbecken. Alle Opfer sind qualvoll erstickt. In ihren zugeklebten Mündern findet sich ein Foto mit einem fremden Gesicht.
Was verbindet die Opfer und welches Motiv verfolgt der Mörder? Die Ermittler der Sondereinheit GZ Padborg stehen vor einem Rätsel. Der Druck wächst, als eine weitere Leiche auftaucht. Und ausgerechnet Rasmus Nyborg scheint nicht bei der Sache zu sein und bringt sich mit Nachforschungen zu einem ganz anderen Fall in Gefahr ...
Gekürzte Lesung mit Vera Teltz
10h 26min