Ich bin dann mal weg
Kritik
Kaum hatte ich die ersten Seiten von „Ich bin dann mal weg“ aufgeschlagen, fühlte ich mich sofort auf den Jakobsweg versetzt – nicht im Sinne von touristischer Berichterstattung, sondern ganz nah dran an den Gedanken und Gefühlen eines Mannes, der sich auf eine echte Reise zu sich selbst begibt. Hape Kerkeling nimmt uns mit auf seinen sechswöchigen Fußmarsch durch Nordspanien, von Saint-Jean-Pied-de-Port bis zum heiligen Jakob in Santiago de Compostela. Dabei geht es weniger um das Ziel, als um die kleinen Begegnungen, die steilen Pfade, den inneren Kampf mit Müdigkeit, Zweifel und überraschendem Selbstvertrauen.
Kerkeling präsentiert sich nicht nur als charmante, humorvolle Plaudertasche, sondern als ehrlicher, manchmal sogar verletzlicher Mensch. Seine Erzählweise ist leichtfüßig und direkt, mit diesen kleinen Witzen, die das Herz zum Lachen bringen, ohne dass es albern wird. Man spürt, wie er zwischen ironischer Distanz und aufrichtigem Staunen schwankt – das macht das Buch so echt und nahbar. Seine Mitpilger, die Einheimischen, die Landschaft – all das fügt sich zu einem lebendigen Mosaik, das Lust macht, sich selbst aufzuraffen und die Wanderschuhe zu schnüren.
Natürlich – wer keine Geduld für ruhige, nachdenkliche Passagen hat oder keine Lust, sich auf eine gewisse Langsamkeit und innere Einkehr einzulassen, wird hierunter vielleicht eher gähnen. Ein paar Passagen ziehen sich für meinen Geschmack etwas, und Menschen, die Kerkeling nur als Entertainer kennen, könnten überrascht sein, wie tiefgründig es stellenweise wird. Aber genau das macht „Ich bin dann mal weg“ zu einem echten Geheimtipp für alle, die nicht nur ein Reisetagebuch, sondern eine Geschichte über Mut und Veränderung suchen.
Kurz gesagt: Dieses Buch ist ein Gewinn für alle, die offen sind für kleine Abenteuer im Kopf und eine Portion ehrlichen Humor schätzen. Es ist ein bisschen wie eine gute Unterhaltung mit einem Freund, der einem still und doch irgendwie laut zeigt, dass man unterwegs sein darf – physisch und seelisch. Meine Sterne: 4 von 5. Wer sich auf das Pilger-Abenteuer einlässt, wird belohnt.