Toxibaby (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Manchmal trifft ein Buch genau ins Schwarze, weil es die verrückte Achterbahn namens Liebe so schonungslos und ehrlich zeigt, dass man fast glauben mag, Dana von Suffrin hätte in mein Beziehungsgeflecht geblickt. „Toxibaby“ ist eben nicht der typische Liebesroman, sondern eine faszinierende, fast schon schmerzhafte Reise in das Innenleben zweier Menschen, die verzweifelt nach Nähe suchen – und sich dabei immer wieder selbst aus den Händen gleiten.
Herzchen, die gefeierte Millennial-Schriftstellerin, und Toxibaby, ein Anfang 40-Jähriger mit Weltlast-Schulterblick, sind sich direkt sympathisch und nahbar – so real, dass man fast vergisst, dass sie Figuren einer Geschichte sind. Ihre Liebe strotzt voller Kontraste: Sie fliegen, stürzen und hadern miteinander in einem emotionalen Tanz, der gleichermaßen zärtlich wie zerstörerisch ist. Dana von Suffrins Sprache knallt nicht mit rosa Zucker, sondern mit klarem, scharfem Witz und Energie. Das Hörbuch in ungekürzter Lesung bringt die Spannungen und den Kampf um Nähe wunderbar zum Leben – mal bissig, mal traurig, immer ehrlich.
Was mir besonders gefallen hat, ist dieser seltene Mix aus Intellekt und Gefühlschaos. Da geht es nicht um Kitsch, sondern um echte Menschen und ihre Konflikte, die irgendwie auch die Beziehungsunfähigkeit einer ganzen Generation widerspiegeln. Klar, manchmal hätte ich mir gewünscht, der Ton wäre an einigen Stellen ein bisschen weniger bitter, ein Hauch mehr Hoffnung vielleicht – aber das gehört wohl dazu.
Insgesamt ist „Toxibaby“ kein Wohlfühlroman, sondern ein hoch emotionales, tiefgründiges Stück Literatur, das genau dann zündet, wenn man Lust auf mehr als nur Liebe-in-reiner-Form hat. Für alle, die sich nicht scheuen, das komplizierte Durcheinander von Nähe und Abhängigkeit zu durchdringen, eine echte Empfehlung.
4 von 5 Sternen – weil es richtig weh tut, aber auch richtig gut tut.