Die Liebe trägt Gummistiefel
Kritik
Manchmal sind es genau diese Geschichten, die sich anfühlen wie ein tief durchatmen im Regen – unperfekt, ehrlich und irgendwie genau richtig. „Die Liebe trägt Gummistiefel“ nimmt dich mit auf eine Wanderung durchs Leben und zeigt, dass Neuanfänge oft mit matschigen Wegen und unerwarteten Begegnungen beginnen.
Tess, Investmentbankerin mit Perfektionismus-Gen, wird plötzlich aus ihrem hektischen Business-Alltag gerissen. Statt weiter durch graue Büroflure zu hetzen, tauscht sie ihren High-Heels gegen abgetretene Trekkingschuhe und macht sich auf den Pennine Way. Aber halt: Von Romantik auf dem Trail keine Spur. Eher Dauerregen, Blasen und ziemlich viel Chaos. Gerade als man denkt, sie schafft das nicht, steht da Gregg – nicht nur ein Retter in durchnässter Not, sondern auch der Funke zwischen Moderne und ländlicher Gelassenheit. Mit Hundewelpen, Yaks und einem Alpaka als ständiger tierischer Begleitung wird daraus ein bunter Mix aus Gegensätzen: Großstadt gegen Natur, Karriere gegen Herz.
Alexandra Zöbeli hat einen wunderbar zugänglichen, lockeren Stil, der Spaß macht, ohne dabei zu flach zu wirken. Ihre Figuren sind alles andere als Klischees – Tess wirkt nahbar, unperfekt und ehrlich, während Gregg und Fran mit einem ganz eigenen Charme die Story lebendig halten. Besonders gefallen hat mir, wie die Autorin die schönen wie auch die unbequemen Seiten eines Neuanfangs zeigt: Kein schnulziger Liebesroman, sondern ein Gefühl für die kleinen Stolpersteine und großen Träume.
Natürlich wäre etwas mehr Tiefgang bei bestimmten Konflikten schön gewesen, hier und da blitzt das Potenzial für mehr Emotionalität durch, das nicht ganz ausgeschöpft wird. Aber das tut der Leichtigkeit des Buchs keinen Abbruch, sondern lässt Raum für eigene Gedanken.
Wenn du Lust hast auf eine Geschichte, die mehr nach echtem Leben schmeckt als nach kitschigem Hollywood, und die zeigt, dass Liebe auch mal unbequeme Gummistiefel trägt, dann bist du hier genau richtig.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen – weil mich Tess’ Reise berührt hat, aber das letzte Quäntchen Tiefe noch fehlt. Perfekt für alle, die Romantik mit Bodenhaftung und Herz suchen.