Deutschstunde
Kritik
Manchmal gibt es Bücher, die einen einfach mitten ins Herz treffen – „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz gehört definitiv dazu. Schon nach den ersten Seiten fühlte ich mich sofort in eine düstere, aber wichtige Zeit hineingezogen, die uns alle etwas angeht. Es geht um Siggi Jepsen, einen Jugendlichen, der in einer Einrichtung für schwer Erziehbare lebt und mit einer ungewöhnlichen Deutsch-Aufgabe zu kämpfen hat: Er soll über „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Klingt trocken? Ist es aber ganz und gar nicht.
Die Handlung ist vielschichtig und spannend zugleich: Wir tauchen ein in Siggis Vergangenheit, in seinen inneren Kampf mit der Rolle seines Vaters, einem Polizisten, der während des Nationalsozialismus seinen Pflichten über alles stellt – auch wenn es eigentlich falsch ist. Das Buch denkt sich nicht raus, sondern zeigt auf, wie leicht wir in blinde Gehorsamkeit rutschen können. Und das, ohne zu moralisieren.
Siggi als Hauptfigur ist so authentisch, dass man manchmal lachen, manchmal traurig schlucken muss. Sein Blick auf das Geschehen wirkt direkt und ehrlich, der Schreibstil von Lenz ist klar, prägnant, aber niemals langweilig oder zu pädagogisch. Ein großes Plus: Der Roman schafft es, schwerwiegende historische Themen für heutige Leser*innen greifbar zu machen – fast, als würde man eine wichtige Geschichte von einem Freund erzählt bekommen.
Klar, das Buch ist kein locker-flockiger Roman für die Strandtasche, und gelegentlich zieht sich die Erzählung etwas. Man merkt, dass Lenz auch mit viel Bedacht und Ernst schreibt, was natürlich das Lesetempo beeinflussen kann. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat es seine volle Wirkung.
Wer sich für deutsche Geschichte interessiert, sich Gedanken über Verantwortung macht oder einfach eine tiefgründige Geschichte mit viel Emotion lesen will, ist hier goldrichtig. „Deutschstunde“ lässt einen nicht so schnell los.
Mein Fazit: Ein echter Klassiker, der auch heute noch wichtig ist, emotional packt und zum Nachdenken anregt. Klare Leseempfehlung!
Bewertung: 4 von 5 Sternen