Der heilige Tod - Thriller ( John Milton 2 )
Kritik
Kaum hat man sich in John Miltons abgründige Welt eingelebt, zieht einen „Der heilige Tod“ mit voller Wucht in ein gnadenloses Grenzland-Drama hinein. Diesmal trifft unser zurückgezogen lebender Ex-Auftragskiller mitten in der giftigen Realität von Ciudad Juárez auf die düstere Seite des Menschenhandels, Gangs und gnadenloser Gewalt – und das alles mit einem Paukenschlag.
Die Handlung konzentriert sich auf Miltons Versuch, eine junge, mutige Journalistin zu retten, die sich durch ihren Mut in höchste Gefahr gebracht hat. Dabei gelingt es Dawson, das gefährliche Katz-und-Maus-Spiel zwischen den skrupellosen Narco-Gangs und dem unermüdlichen Verfolgen der Protagonisten packend darzustellen, ohne sich in zu viel Detailwüste zu verlieren. Besonders spannend ist die Dynamik zwischen Milton, der pragmatisch und abgebrüht agiert, und den ambivalenten Nebenfiguren – allen voran der mysteriöse Kopfgeldjäger mit fragwürdigen Absichten und der ehrliche Polizist als einziger Lichtblick in diesem dunklen Szenario. Der Autor schafft es meisterhaft, die Figuren glaubwürdig und vielschichtig wirken zu lassen, dabei bleiben sie aber immer nachvollziehbar und fern von Klischees.
Mark Dawsons Schreibstil ist schnörkellos, direkt und mit einem soliden Tempo versehen, das nie ins Stocken gerät. Seine Beschreibungen erzeugen ein intensives Kopfkino, das einen förmlich in das rauhe Grenzgebiet hineinzieht – man spürt förmlich die Hitze, den Staub und die latente Gefahr. Kleiner Minuspunkt: An manchen Stellen hätten mehr Zwischentöne oder ein bisschen mehr Persönliches dem Thriller gutgetan, um die Härte etwas auszugleichen und die Charaktere noch greifbarer zu machen. Trotzdem bleibt das Buch durchweg spannend, und man möchte wissen, ob und wie Milton und seine Begleiter das Unmögliche schaffen.
Wer auf temporeiche Thriller steht, die mit einer realistischen, kargen Atmosphäre punkten und einen Helden zeigen, der mit seinen eigenen Dämonen ringt, ist hier absolut richtig. „Der heilige Tod“ ist kein Wohlfühlbuch, sondern ein packendes Stück Thrill, das mit seiner rauen Authentizität fasziniert.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen – ein mitreißender Thriller, der ein bisschen mehr Herz vertragen hätte, aber seine Spannung voll ausspielt und Leser mit Hang zum düsteren Krimi bestens unterhält.